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Der Tod des Räubers Zughetto von der Moselbande

Josef Knoop

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Schinderhannes, Freund von Zughetto

Es geschah in der Nacht vom 29. auf den 30. Juli des Jahres 1802.
Am Tage zuvor trieben sich schon zwei seltsame Frauen bettelnd und in verwahrloster Kleidung in Kesten, Monzel und Osann umher "Das sind die Weiber des Räubers Zughetto", so raunten sich die Leute zu. "Sie kundschaften unsere Häuser aus, fallen dann in der Nacht über uns her und bestehlen und berauben uns. Wir müssen auf der Hut sein !

Gesehen hatte ihn ja noch niemand, den Peter Zughetto. Aber von seinen "Frauen" hatte man schon manches gehört, vor allem der Buzliese-Anne, einem verflossenen Liebchen des Schinderhannes."Wir stellen Wachen auf" so beschlossen die vorsichtigen Männer der Dörfer Osann und Monzel, "Vorsicht ist besser als Nachsicht"

Es war zur Sommerzeit, der 29. Juli des Jahres 1802. Auf den Wiesen lagen die duftenden Heuhaufen. Friede und Ruhe atmete die ganze Natur. Aber die Menschen in den Häusern konnten keine rechte Ruhe finden. Leise senkte sich die Dämmerung über das Land.Unsichtbar, hinter Bäumen und Sträuchern versteckt, ziehen in den Dörfern wachsame Posten auf und durchbohren mit spähenden Augen die wachsende Dämmerung.

Ein Geräusch im Rücken läßt den Osanner Bürger Schander, der seinen Posten auf einem Felde zwischen Osann und Monzel, an der Wegegabelung nach Klausen bezogen hatte, erschrocken zusammenzucken.
"Keine Angst" flüstert ihm eine bekannte Stimme in die Ohren.
"Hast du mich aber erschreckt, du alter Witzbold" fährt Schander den Jäger an; denn dieser war es, der gerade von der Jagd zurückkam.
"Wenn du aber jetzt schon so erschrickst, dann möchte ich aber erst sehen, wie du zusammenfährst, wenn dich der Zughetto am Halse packt. Aber Spaß beiseite! Hier hast du mein Gewehr. Umgehen kannst du ja damit. Mit dem in der Faust läßt sich's doch ruhiger Posten stehen. Es ist noch frisch geladen mit Pulver und Blei.

"Leise lachend und mit einem Klaps auf die Schulter des jungen Mannes verschwindet der Jäger im Dunkel der Nacht, und Schander ist wieder allein auf einsamem Posten. Aber das Gewehr in der Hand gibt Schander Ruhe und Sicherheit. Nun sollte er kommen, der elende Zigeuner, wegen dem er schon wieder seine Nachtruhe opfern mußte.

"Der Kerl mit dem Gewehr wird mir gefährlich", denkt sich Zughetto, der aus kurzer Entfernung, in einem Heuhaufen liegend, alles mit angesehen und angehört hatte. "Den knallst du besser ab", denkt er sich, "sonst jagt er dir eine blaue Bohne zwischen die Rippen.

"Kaltblütig, als gelte es kein Menschenleben, spannt er den Hahn seiner Pistole. Aber dies verräterische Knacken hat Schander hellwach gemacht.
Blitzschnell reißt er sein Gewehr an die Backe. Doch bevor er noch abdrücken kann, zerschmettert ein Pistolenschuß des Räubers ihm den rechten Arm.
Schander stürzt auf den Räuber, stemmt mit der linken Hand das Gewehr gegen den Körper Zughettos und drückt ab, noch bevor dieser erneut laden kann. Zum Tode getroffen fällt der Räuber zurück in den Heuhaufen.

Seine " Frauen" schleppen ihn an den Bach vor Osann aber weiter können sie ihn nicht mehr tragen. So holen sie Hilfe im nahen Osann; denn sie wissen ja, daß Peter Zughetto jetzt keinen Galgen mehr zu fürchten braucht. Gott selbst hat ihn gerichtet.Männer tragen den Hilflosen ins Gemeindehaus, wo er alle seine Verbrechen gestand und 6 Stunden später nach einer reumütigen Beichte am 30. Juli 1802 morgens um 7 Uhr starb.

Die Menschen von Osann waren großzügig. Gott hatte dem reumütigen Räuber durch seinen Priester seine Schuld vergeben, also wollten auch sie ihm vergeben, wie der Herr sie gelehrt hat: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldnern!

Auf ihrem Kirchhof gönnten sie dem Räuber eine letzte Ruhestätte nach einem langen Verbrecherleben. Zughetto—ist noch auf dem Grabstein zu lesen, der in der Kellerwand eines Winzers eingemauert für immer erhalten bleiben wird.
Das Gewehr aber, dessen Schuß das ganze Land von einer schweren Plage befreit hat, ist noch heute in den Händen eines Osanner Bürgers und wird wohl noch lange Zeit als "Theatergewehr" der Jugend des Dorfes dienen und künden von der Wachsamkeit und Bereitschal ihrer Vorfahren in schwerer Zeit.

Quelle:Jahrbuch des Kreises Bernkastel-Kues 1985

 

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