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Schinderhannes Der schalkhafte Räuber

In Kreuznach war Viehmarkt. Aus allen Richtungen kamen die Händler und Bauern mit gefüllten Geldbörsen, um Geschäfte zu machen. Der Schinderhannes wollte sich an diesen Geschäften beteiligen.

Also legte er sich mit seinen Gesellen auf die Lauer. Er brauchte nicht lange zu warten, bis eine Schar Händler kam, im munteren Gespräch über zwielichtige Geschäfte, die sie abgewickelt hatten. Plötzlich schob Schinderhannes den Lauf seiner Flinte hinter einem Felsen vor und donnerte den Erschrockenen ein mächtiges "HALT" entgegen. Wie angewurzelt blieben sie stehen. "Der Schinderhannes!" rief schließlich einer, der sich vom ersten  Schrecken erholt hatte. Die ganze  Gesellschaft wollte kehrtmachen und Reißaus nehmen. Aber als die Handelsleute sich umdrehten, blickten sie in schwarze verschmierte Gesichter und drohende Gewehrmündungen. Sie waren umzingelt, eine Flucht war unmöglich und so ergaben sie sich zeternd und jammerten in ihr ungewisses Schicksal. Schinderhannes kam mit vorgehaltener Flinte gemächlich vom Felsen herab und trat vor die Händler. "Die Geldbörsen her !" fuhr er sie an. Einige hatten vorsorglich ein Teil ihres Geldes am Körper versteckt oder in die Kleider genäht, doch Schinderhannes kannte diese Tricks und ließ einen jeden gründlich visitieren. Schließlich hatte keiner der Geprellten auch nur so viel Geld, dass er sich auf dem Markt ein Ziegenfellchen hätte kaufen können. Nun befahl der Räuberhauptmann barsch: "Schuhe ausziehen und auf einen Haufen werfen! "  Verdutzt sahen die Händler sich an. Was sollte denn das bedeuten? Aber ein Blick auf den Schinderhannes verriet ihnen, dass er es erst meinte. Als alle ihre Schuhe hingelegt hatten, wühlte ein Schalk die Paare so durcheinander, dass nicht ein einziges zusammenblieb. dann zog der Schinderhannes seine Uhr heraus und rief: " Anziehen! Wer in fünf Minuten seine Schuhe nicht anhat, wird erschossen." Wie die Raubkatzen stürzten sie sich auf die Schuhe. Jeder wollte die besten herausfischen, jeder wollte aber auch schnell hier wegkommen. Ein wüstes Handgemenge entstand, sie schlugen sich die Köpfe blutig, zausten sich gegenseitig an den Haaren und rissen sich die Kleider vom Leibe. Die fünf Minuten waren lange vorbei, als der letzte ein Paar Schuhe zusammengerafft hatte. Der Schinderhannes und seine Bande waren inzwischen verschwunden. Auf dem Markt zu Kreuznach erzählte man von nichts anderem als von diesem schalkhaften Streich des Schinderhannes.

(Aus: Kurt Bach,  Im Land des Schinderhannes, Spee Verlag Trier)


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