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Der böse Maurus

Maurus war zu seiner Zeit im ganzen Dörflein Cues an der Mosel als ein übler Patron verschrien. Er tollte und polterte unter gräulichem Saufen ganze Nächte hindurch und beunruhigte die ganze Nachbarschaft. Am allerschlimmsten war aber doch sein armes Weib dran. Bei der geringsten Veranlassung mißhandelte und schlug er sie, daß oft die Freunde und Verwandten die Streitenden trennen mußten.

Jedes Leid hat aber doch einmal seine Grenzen. Der böse Maurus, so nannte man ihn allgemein, stürzte am heiligen Pfingsttag betrunken in eine Grube und brach jämmerlich das Genick. seine Frau, obwohl er sie bei seinen Lebzeiten grausam mißhandelt hatte, bereitete ihm doch ein anständiges Leichenbegräbnis.

Wie staunten aber die Leute, welche seinen vergänglichen Überreste zur Grube bestattet hatten, als sie auf der Rückkehr dem Maurus in dem Fenster seines ehemaligen Wohnhauses liegen sahen, wie er höhnisch auf die Begleiter, welche ihm den letzten Dienst erwiesen hatten, herabblickte.

Seine Frau schlug andächtig drei Kreuze; bald überzeugte man sich aber, daß der böse Mann auch nach seinem Tode keine Ruhe finden konnte. Es hat ihn zwar seit jener Zeit niemand mehr leibhaftig im Haus gesehen, aber doch gab er sich häufig durch nächtliches Rumoren, besonders an jenen heiligen Tagen, welche er dem Bacchus zur zeit geweiht hatte, kund. Der unruhige Poltergeist ward endlich, damit er die Einwohner und Nachbarn ferner nicht mehr belästige, in den Wald, Cues gegenüber, verbannt. Dort trieb er sich lange herum, neckte die Einwohner von Cues, welche den Wald besuchten, weil sie keine Verbannung veranlaßt hatten.

Am Tage, wo er einige Male  wieder in seinem dreieckigen Hute und grauen Rocke gesehen wurde, erschreckte er oft die Leute, welche auf sein Gebiet sich wagten. Oft schob er Steine den Berg hinab nach den Vorübergehenden. Oft schwatzte er wieder mit sich selbst, dann lachte er wieder mit sich selbst und war hochvergnügt, wenn er jemanden einen listigen Streich gespielt hatte.

Viel Vergnügen machte es ihm auch, wenn er nachts die Fährleute durch den Ruf "Hol über" beunruhigte und betört hatte. Vergebens waren die Fährleute im Dunkel der Nacht oft nach dem jenseitigen Ufer gerudert, um den Rufenden überzuholen. Niemand fand sich aber am Ufer; wie lachte dann der alte Schalk über den gelungenen Streich.

Der lästige Maurus ward endlich, um seinen Neckereien ein Ende zu machen, zum zweitenmal beschworen und nach dem Hinterwald, zwei Stunden von hier, verbannt, wo er sich etwas ruhiger gebärdete. Er erschreckte nur hin und wieder einen Vorübergehenden mehr, ohne jemanden ein besonderes Leid zuzufügen. Bei Heinzerath läßt er sich bisweilen noch hören und sauset dann, als wollte er alle Bäume entwurzeln, durch den Wald dahin.

Doch vergißt er seine Heimat noch nicht ganz; er schleicht noch einige Male nach seiner alten Wohnung und trübt den Frieden.

Aus: Sagensammlung "Rheinlands Wunderhorn" von Fr. Menk, Silbermann/Leipzig 1880

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