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Der Bau der Moselbahn

Die Vorbesprechungen und Planungen für den Bau der Moseltalbahn reichen bis zum Jahre 1897. Nach den ersten Verhandlungen wird am 21. April 1897 von Berlin mitgeteilt: Der Bau einer normalspurigen Eisenbahn von Bullay nach Ruwer wurde seitens des Ministers Thielen ,,endgültig" abgelehnt. Die Bernkasteler Zeitung berichtete dann am 29. April 1897: Der Kreistag beschloß einstimmig, für die Kleinbahn Bullay - Ruwer keinen Pfennig, dagegen für eine normalspurige Staatsbahn jedes Opfer zu bewilligen. Die ministerielle Entscheidung hat sehr große Mißbilligung erregt.

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Moselbahn um 1930

B. Z. vom 12. Dezember 1897. Neuerdings scheint man dem Bahnprojekte Bullay - Ruwer wieder näher zu treten. Die Strecke wird von neuem abgesteckt Während die erste Linie immer ziemlich in der Nähe der Moselstraße blieb, scheint man jetzt unterhalb - der Mosel zu eine Linie festzulegen. Gerüchtweise verlautet, daß stellenweise sogar der Bahndamm in die Mosel gebaut werden solle. Man hofft durchschnittlich mit einer Höhe von 0,50 Mtr. bis 0,75 Mtr. Aufschüttung in dem durchschnittlichen Gelände auszukommen. Der Schienenstrang soll der ,,Cobl. Ztg." zufolge 1 Mtr. Spurweite erhalten. Hier glaubt man an einen Ausbau der Strecke Bullay - Bernkastel als Schmalspurbahn und den der Strecke Bernkastel - Ruwer als Vollbahn.

In weiteren Verhandlungen scheint Berlin von der Idee der Schmalspurbahn abgekommen zu sein und der Kreistag seine Forderung einer normalen Spur für die Bahn durchgesetzt zu haben. Am 26. Januar 1902 schreibt die Bernk. Ztg.: Bahn Bullay - Ruwer. - In jüngster Zeit haben, hervorgerufen durch laut gewordene Besorgnisse der Mittelmosel-Bewohner, Verhandlungen stattgefunden, zwischen der Stadt Bernkastel, dem Central-Eisenbahn-Comitee einerseits und dem Herrn Regierungs - Präsidenten zu Trier andererseits, sodann zwischen letzterem und dem Vertreter der Westdeutschen Eisenbahn - Gesellschaft, wie auch wiederum zwischen diesem und dem Königlichen Herrn Landrath zu Bernkastel, welcher seinerseits die Vertreter der Stadt Bernkastel und den Vorsitzenden des Central-Eisenbahn-Comitees zu dieser Besprechung hinzuzog.

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Ausbesserungswerk der Moselbahn in Andel

Das Ergebnis dieser mehrseitigen Verhandlungen hat zunächst klar gestellt, und wurde auch regierungsseitig anerkannt, daß die Westdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft bis jetzt nichts zu unternehmen versäumt habe, was zur Förderung der fragl. Bahnstredie dienen könne, sowie daß diese bis jetzt ihren concessionsmäßig übernommenen Pflichten in jeder Weise nachgekommen sei. Der Vertreter der Westdeutschen Eisenbahn- Gesellschaft beansprucht, ungehinderten Ausbau von Theilstrecken vornehmen zu dürfen, wie das nicht nur bei allen größeren Privatbahnen, sondern auch bei Staatsbahnen gehandhabt werde, was - wie wiederum regierungsseitig anerkannt wurde - sich im Rahmen der Concession bewege. Zunächst solle die Strecke bis Nieder-Emmel fertig gestellt werden und deren Eröffnung etwa am 1. April 1903 erfolgen. Es sind Dispositionen getroffen, sofort nach Eröffnung dieser Theilstrecke einen Omnibusdienst und Güterbeförderung von Nieder-Emmel naa~ Bernkastel einzurichten. Auch ist bereits ein schnellgehender Dampfer beschafft, der zwischen Trarbach und Nieder-Emmel kurs;ert, um während des Baues die Baugüter zu befördern. Die Strecke Niederemmel-Bernkastel solle so in Angriff genommen werden, daß deren Eröffnung etwa ein halbes Jahr später, wie diejenige von Ruwer nach Nieder-Emmel, erfolgen könne das wäre ungefähr am 1. Oktober 1903.

Die Westdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft knüpft an diese beschleunigte Herstellung die Bedingung, daß der Kreis Bernkastel ihr unter genügender Bürgschaft die Zuschuß-Summe von 375 000 Mk. sofort nach definitiver Entscheidung bezüglich der Teilstrecke zur Verfügung stelle, wohingegen sie ihrerseits dieses Kapitel mit 4'/2 pCt. bis zur Eröffnung verzinsen will. Die ubrigen Teilstrecken sollen ebenfalls

möglichst beschleunigt werden. Unter allen Umständen will die Westdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft an ihrer Concessionspflicht, wonach sie mit dem gänzlichen Ausbau 1907 fertig sein muß, festhalten und sich zur Beschleunigung nicht drängen lassen, wenn ihr seitens der Kreise das gewünschte Maß von Entgegenkommen versagt bleibt. Der Kreistag Bernkastel wird nun in BaIde zusammenzuberufen sein, um bezüglich der Hergabe der 375 000 Mk. Beschluß zu fassen. Bei der vorgeschlagenen vollkommenen Sicherheit und dem bewilligten Zinsfuße ist diese Frage von so untergeordneter Bedeutung, daß sicher zu erwarten steht, der Kreistag werde die Frage im Sinne der Westdeutschen Eisenbahner-Gesellschaft und damit im eigensten Interesse der Moselbewohner lösen. Eine kleine Modifikation bezüglich der Zinszahlung wird allerdings noch vorzunehmen sein. Hoffenlich wird nunmehr das Sehnen der Moselbewohner nach besserer Bahnverbindung recht bald in Erfüllung gehen.

Am 29. 8. 1905 wird die Strecke Bernkastel - Bullay eröffnet und damit ist die gesamte Bahnlänge von Trier bis Bullay mit einer Gesamtlänge von 102,2 Km fertiggestellt.

Quelle: Festschrift Freiwillige Feuerwehr Festbuch 1976

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