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Das "Klösterchen" als Stiftung |
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| Kloster nach Brand |
Am 25. August 1857 nachmittags fingen zwei Häuser in der Römerstraße durch Brandstiftung Feuer. Das Feuer griff rasch um sich, erreichte gegen 17.30 Uhr das Dachgesims des Klosters. Pfarrhaus, Kloster und Kirche standen in kurzer Zeit in Flammen. Hilfe war Nicht möglich. Nur die Mauern blieben stehen. Der Teil des Klosters, der Pfarrhaus geworden war, wurde sofort wieder aufgebaut. Die übrigen Gebäude mit Kirche blieben als Ruinen liegen bis zum Jahre 1868.
1868
Jodocus Prüm aus Wehlen bot sich an mit Plänen zur Gründung eines Klosters. Pfarrer Dorbach machte ihn aufmerksam auf die Möglichkeit des Wiederaufbaus der Klosterruine. J. Prüm ging auf den Plan des Wiederaufbaues gerne ein. Pfarrer Dorbach kam darauf beim Stadtrat mit dem Vorhaben des J. Prüm ein und fand dessen Zustimmung. Es wurde gestattet, die Ruinen zu einem Kloster auszubauen unter der Bedingung, daß alles im Eigentum der Stadt bleiben soll, aber nur zu dem Zweck gebraucht werden dürfe, wie es in der Stiftung festgelegt sei. In der Stadtverordneten-Versammlung vom 30. Juni 1868 wurde folgender Beschluß gefaßt:
" Nachdem eine Stadtverordneten-Versammlung von dem Schreiben des Pastor Dorbach vom 30. Mai und 13. Juni 1868 wegen Überweisung der Kapuziner-Kirche an den Jodocus Prüm von Wehlen zum Ausbau zu einer Kleinkinder-Verwahranstalt, eines katholischen Kranken- und Waisenhauses, aus eigenen Mitteln Kenntisgenommen, in welcher Anstalt die Leitung Ordensschwestern übertragen werden soll, erklärte die Versammlung, dem Jodocus Prüm zu Wehlen die Kapuziner-Kirche hierselbst nebst Zubehör,
a) zu einem katholischen Waisenhaus,
b) zu einer Kleinkinder-Verwahranstalt und
c) zu einem katholischen Krankenhaus zum Ausbau auf eigene Kosten zu überlassen.
Die zu errichtenden Gebäudlichkeiten verbleiben ausschließlich im Eigentum der Stadtgemeinde, wohingegen letztere sich verpflichtet, dieselben zu keinem anderen Zweck als dem oben angegebenen oder ähnlichen zu verwenden."
In einem weiteren Beschluß des Stadtrates vom 22. Juli 1868 heißt es:
" J. Prüm zeitlebens Mitglied der Verwaltungs-Commission sein. Die religiöse Beaufsichtigung der Anstalt soll vom zeitlichen Stadtpastor ausgeübt werden.
Die Verwaltung der Anstalt wird durch den zeitlichen Bürgermeister als Vorsitzender, aus zwei von dem Stadtrat zu wählenden Mitgliedern, dem zeitlichen Pastor und einem Mitglied aus dem Kirchenrat geführt, womit sich Herrn Prüm vollständig einverstanden erklärte und zwar Anerkennung dessen nebenstehend unterschrieben hat"
1869
Stadtrat und Regierung genehmigten die Bauplanung. J. Prüm nahm zunächst selbst die Ausführung der Arbeiten in die Hand. Es ging nur langsam voran. Auf Drängen übertrug er endlich den Bau an den Meister Kieren. Am 13. April 1869 erfolgte die Grundsteinlegung. Pfarrer Dorbach erhielt von J. Prüm den schriftlichen Auftrag, im Falle seines vorzeitigen Ablebens den vollständigen Ausbau nach den vorliegenden Plänen vorzunehmen unter Verwendung seines Vermögens.
Landrat von Kühlwetter war um den Bau besorgt. Pfarrer Dorbach erreichte durch seine Vermittlung, daß J. Prüm aus den königlichen Forsten 950 Cubikfuß Eichenholz erhielt zum einem sehr niedrigen Preis von 4 und 5 Groschen. Damit wurden die Treppen und Böden ausgeführt.
Als der Bau entsprechend fortgeführt war, überlegte man, ob man nicht einen weiteren, dritten Stock auf das alte Mauerwerk errichten solle, um mehr Menschen aufnehmen zu können. J. Prüm stimmte zunächst zu, wollte dann aber die Mehrkosten nicht übernehmen. Dies tat dann Pfarrer Dorbach bzw. die Kirchengemeinde.
1870
Im September 1870 waren die ersten Zimmer bezugsfertig. Sie wurden mit Hilfe einer guten Kollekte und vielen Sachspenden eingerichtet. Die beiden ersten Schwestern kamen von Dernbach bei Montabaur, der Genossenschaft der armen Dienstmägde Jesu Christi und nahmen die Krankenpflege ambulant und im Hause auf. Bald danach wurde eine Nähstube und dann die Kinder-Verwahranstalt gegründet.
Beide Schwestern wohnten anfangs noch einige Wochen im Pfarrhaus, zogen dann ins Kloster und bekamen vier schwerverwundete Soldaten zur Verpflegung und besorgten noch mehrere verwundete Soldaten, welche in der Stadt bei Bürgern lagen.
1871
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| Kloster nach Wiederaufbau 1871 |
Die bischöfliche Genehmigung zur Gründung des Klosters wurde nachträglich am 08. September erteilt.
Nun lag noch die Kapelle am öde und verwüstet.
Der Stifter für den Wiederaufbau des Klostsrgebäudes Jodocus Prüm, lehnte es ab, auch für die Wiederherstellung der Kirche aufzukommen. Seine Mittel waren voll begrenzt und waren wohl durch den übrigen Wiederaufbau aufgebraucht. So blieb die Kirche beim Kloster öde und verwüstet liegen.
Pastor Dorbach (1850 - 1896), übernahm darauf die Aufgabe, die Kirche -wieder
würdig herzustellen, damit dort in den profanierten Räumen wieder wie früher der Gottesdienst zur Verherrlichung Gottes und zur Erbauung der Gläubigen gehalten werden konnte, damit dort die Ordensschwestern sich erbauen und für ihren schweren Beruf sich stärken und Gottes Gnade erflehen könnten, und damit ich auf diese Weise meinen Pfarrkindern ein Würdiges Andenken hinterlassen würde."
1872
Von Pastor- Dorbach wird weiter berichtet: " In den Jahren 1871 und 1872 ließ ich dieselbe ganz geschmackvoll für ihren erhabenen Zweck herstellen, für die Schwestern oben ein Chörchen errichten etc."
"Auch erhielt ich von dem hochwürdigsten Herrn Bischof Matthias Eberhard den Altar, welcher früher in der Seminarskapelle gestanden hatte und nun eine Zierde unserer Kapelle durch sorgfältige Reparatur ist."
Am 1. Oktober 1872 nahm Dechant Bergweiler, Pastor von Graach, die feierliche Einweihung Im bischöflichen Auftrag; vor, umgeben von 12 Priestern und unter Anrufung aller Heiligen, namentlich der Patronin St. Barbara. Pastor Dorbach hielt die Predigt und das feierliche Hochamt, den ersten Gottesdienst, der Seit Aufhebung des Kapuzinerklosters hier wieder gehalten wurde.
1876
Am 27. März starb Jodocus Prüm, ohne daß die Arbeiten am Kloster- vollendet waren, "in dem noch der Speicherboden nicht gedielt, die Waschküche nicht: ausgeführt, der Giebel zum
Pfarrhofe nicht verputzt war etc."
Am 3. April hielt Pastor Dorbach für das Seelenheil des Jodocus Prüm aus Dankbarkeit ein feierliches Seelenamt in der Kapelle des Klosters. Sein Leib ruht in einem steinernen Sarg in der alten Kirche von Wehlen, den er sich bei Lebzeiten errichten ließ.
Quelle: Festschrift zur Einweihung am 21.06.1986
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