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Vogt Nikolaus IV von Hunolstein , das Umfeld seiner Zeit

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Ruine Hunolstein um 1866

Im März 1422 ergingen von Sigismund, Römischem König und König in Ungarn und Böhmen, Einladungsschreiben zu einem Reichstag in Regensburg: »um solcher großer, nötiger Sachen willen, die dem Heiligen Reich anliegend sein, und auch besunder durch der Ketzerei willen, die sich zu Böhmen erhoben hat und von Tag zu Tag überhand nimmt; der zu widerstehen und die auch gründlich zu tilgen, so haben wir einen Tag beschlossen, nämlich auf den heiligen Pfingsttag nächstkünftig gen Regensburg, dahin wir gesandt haben alle unsere und des Reichs Kurfürsten, Fürsten, Grafen, Herren und Städte, zu uns zu kommen und da überein zu werden, wie wir dem Heiligen Römischen Reiche und dem christlichen Glauben wider die Ketzer helfen und zu statten kommen«.

Wie schon in den Jahren 1420 und 1421 sollte also wieder ein Kreuzfahrerheer gegen die als Ketzer geltenden böhmischen Hussiten aufgestellt werden. Ihre blutige Revolte war durch die Verbrennung des Prager Magisters Johannes Hus ausgelöst worden, der sich 1415 auf dem Konstanzer Konzil geweigert hatte, seine Lehren, die auf eine an den Idealen der Urkirche ausgerichteten klerikalen Reform abzielten, zu widerrufen. Die Hussitenbewegung, die neben den eigentlichen Anhängern der Reformforderungen von Hus auch radikalere Gruppen mit unterschiedlicher Zielsetzung umfaßte, kämpfte unter der Leitforderung des Laienkelches nicht mehr nur gegen die offizielle römische Kirche, sondern nahm rasch den Charakter einer sozialen Revolte an, vor allem gegen Klerus und Oberschichten der Städte gerichtet; auch den eines politischen Konfliktes mit dem böhmischen Königtum aus dem Hause Luxemburg und dem deutschen Element in Böhmen.

Papst Martin V. hatte 1420 zum Kreuzzug aufgerufen, doch der Feldzug König Sigismunds gegen Prag war nur ein halber Erfolg, und das abziehende Heer war schließlich von den Hussiten geschlagen worden. Das Jahr 1422 brachte ein neues Fiasko: die zusammengewürfelten Reichstruppen, wie auch das unter Führung Sigismunds heranrückende königliche Heer, wurden von den zahlenmäßig unterlegenen, aber disziplinierteren Hussiten unter Johannes Ziska fast völlig aufgerieben.

Die Unzulänglichkeit des Reichsaufgebots, eines Ritterheeres, das auf der lehnsrechtlichen Vasallenpflicht zum Kriegszug basierte, war offenkundig. Die militärische Taktik der Hussiten, vor allem der Einsatz ihrer Schützen, erwies sich als überlegen.

Vor diesem Hintergrund ist der erneute Versuch Sigismunds zu sehen, eine Reichshilfe gegen die böhmischen Aufständischen zu erhalten. Es ist bezeichnend für die planlose Politik des Königs, daß er selbst den Reichstag nicht konsequent weiter betrieb, sondern erst auf Initiative der sechs Kurfürsten im Juli 1422 eine allgemeine Reichsversammlung in Nürnberg zusammentrat. Dieser bis September dauernde Reichstag erhält seine Bedeutung vor allem durch den Versuch, die Heeresorganisation des Reichs durch ein System fester Söldnerkontingente der einzelnen Stände und durch Sondersteuern neu zu ordnen.

Die Aufstellung, die die militärischen Leistungen der Reichsglieder für den »täglichen Krieg in Böhmen« in allen Einzelheiten festlegte, wurde Vorbild der weiteren Anschläge des 15. Jahrhunderts und dann der Matrikel des Wormser Reichstags von 1521, die ihrerseits die Grundlage für die Zusammensetzung des Heeres bis zum Ende des alten Reiches blieb. Die tatsächlichen Leistungen der Stände entsprachen jedoch nicht annähernd diesen Forderungen, das verdeutlichen die Verzeichnisse der bis Oktober 1422 zusammengebrachten Truppen. So verwundert es nicht, daß auch der neue Feldzug vom Winter 1422 auf 1423 wiederum ergebnislos und verlustreich verlief.

In dem Hussitenanschlag von 1422 wird auch »Niclas voit zu Honoltstein« mit »ein gleve« veranlagt. Unter Gleve wird in dieser Zeit die kleinste Kampfeinheit verstanden, bestehend aus einem Ritter, dem eigentlichen Kämpfer, mehreren Knechten und Reservepferden, eventuell auch Schützen. Das Auftauchen eines Hunolsteiners in dieser Liste ist deshalb interessant, weil die Familie ursprünglich nicht als reichsunmittelbar zu betrachten ist, sondern dem trierischen landständischen Adel angehörte.

Bis zum Aussterben der Stammfamilie der Vögte im Jahre 1487 erscheinen sie mit unterschiedlichen Kontingenten in den Reichsmatrikeln.

An dem Feldzug von 1422 nahm Nikolaus von Hunolstein nicht nur diesem Anschlag gemäß, sondern auch als Führer des Kontingents der Reichsstadt Köln teil. Köln war der Aufforderung nur zögernd gefolgt und hatte seine Truppen nicht zu den für Anfang Oktober bei Nürnberg und Eger vereinbarten Sammelplätzen geschickt. Als jedoch König Sigismund am 17. November von Preßburg aus einzelne Städte, darunter auch Köln, aufforderte, die veranschlagten Gleven unverzüglich nach Böhmen zu senden und sie dort dem Kriegshauptmann, Markgraf Friedrich von Brandenburg, zu unterstellen, hatte Köln das Aufgebot von 20 Gleven unter Führung des Vogtes von Hunolstein bereits in Marsch gesetzt. In einem Begleitschreiben an den König vom 11. November zeigte die Stadt die Entsendung des »edeln und wolgeboren hern Nyclais vaigt und Herren zu Hunolstein« und den geforderten »reisigen luden« an, nicht ohne zu betonen, wie beschwerlich und teuer sie, die Stadt Köln, die Angelegenheit käme. wenden wir uns nun dem Führer der kleinen Kölner Truppe, Vogt Nikolaus von Hunolstein, zu.

Quellen: Jahrbuch der Kreise Bernkastel Wittlich 1977, Klaus Peter Decker

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