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  Goldsuche in Andel
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Goldsucher Brunnen in Andel Nov. 1998
  Die Sage

Fließt ein Bächlein bei dem Dorfe Andel, so früher pfalz-veldenzisch gewesen, in die Mosel, und das Bächlein trägt einen gar stolzen Namen. Goldbach wird es geheißen, und damit hat's seine Bewandtnis.

In den letzten Jahren des großen Krieges, so um 1640 herum, sei, so erzählt man, ein reicher Goldschatz im Grunde des Bächleins versteckt worden. Aber die Stelle, allwo das viele Gold verborgen, habe schon ein paar Jahrzehnte später niemand mehr anzeigen gekonnt. Bisweilen habe einer im Wässerlein da und dort noch ein Stücklein Goldes erblickt. Aber das sei so winzig gewesen, daß man's kaum habe fassen können.

  Der erste Goldfund

Soweit die Mär. Doch wahr ist und bis heute nicht vergessen, wie vor etwa zweihundert Jahren dann mit viel Fleiß und einem Quentlein GIück nach dem Gold im Goldbach gesucht worden. Alte Schriften und Akten vermelden dies, und ich will weitergeben, was sie zu sagen wissen:

Es geschah so um das Jahr 1700, daß ein landfremder Wandersmann im Goldbach da wo er mitten durch den Wald fließt, ein ansehnliches Stück Gold gefunden hat, groß und breit, eins der wenigen größeren Stücke, so man je entdecket. Der Wandersmann mochte wohl nicht verraten, woher er es habe.

Aber der Peter Paul Brück aus Andel, damals ein blutjunger Bursch, erinnerte sich des Bächleins, allwoher er glaubte, daß jener das Gold genommen. Heimlich wanderte der Brück wohr des Sonntags nach der Kirche den Goldbach hinauf, mehr das Gold denn die Predigt im Herzen, und hielt Ausschau nach einem Fündlein, wie es der glückliche Fremde erworben.

Jahr für Jahr suchte der Brück vergebens. Aber eines Tages hat sich ihm doch das Glück gezeigt. Wieder einmal stand er vor seinem Ort, fand nichts und war sehr bekümmert. Doch wie er sich umsieht, kommt ihm wahrhaftig ein Stücklein Golds vor, ,,länglich wie ein Draht und rund wie ein Strohhalm". Da hat der Brück am nächsten Morgen seine Frau mitgenommen, und auch die fand ein Stücklein des puren Goldes, ,,welches eine Figur wie ein Gesicht vorgestellet". Wie die beiden aber auch weitersuchten, von dem erhofften Gold zeigte sich nichts mehr, und auch andere sind nicht glücklicher gewesen, soviel Mühe sie sich geben mochten.

  Das Schürfrecht

 

Indessen verbreitete sich die Kunde von dem Gold im Bachlein schneller, als man denken konnte, durch die Grafschaft. Und so geschah es, daß um die Mitte des Jahrhunderts die Veldenzer Kupfergrubengewerkschaft das Schürfrecht im Goldbach erwarb. Sie bestellte ihren Bergmeister Ludolph - der war im Alsenzischen an der Nahe daheim - und ließ ihn alljährlich, da er nach Veldenz kam, die Kupfergruben zu inspizieren, achthaben auf etwa sich vorfindendes Gold im Andeler Bach. Hier war inzwischen der Johann Adam Brück, wie vordem der Vater Paul Brück, nicht müßig gewesen und hatte fleißig nach dem kostbaren Metall gesucht.

Aber die Arbeit brachte ihm nur Verdruß. Und schon überzeugt von der Wahrheit, daß das Leben nichts anderes ist denn Kreuz und Sorge, wollte er die Hände von dem unnützen Werk lassen, als der April des Jahres 1769 sich ihm günstig erwies. Damals sind dem Brück von dem zufällig in Veldenz weilenden kurpfälzischen Bergrat Römer zwei Gulden ,,für zwey in der andler bach gefundene goldkörner gezahlet worden." Von dem Bergrat erfuhr der Kurfürst zu Mannheim Genaueres über den Goldbach.

Schon im Mai dieses Jahres erging vom Kurfürsten an den Bergmeister Ludolph der Befehl, er solle mit Hilfe des Johann Adam Brück aus Andel und eines Rheingoldwäschers den Andeler Bach auf seinen Goldgehalt hin untersuchen. Ludolph hielt sich fleißig, den Auftrag auszuführen. Er ließ sich von Adam Brück die Stellen zeigen, wo dieser das Gold gefunden und ,,allwo von zeit zu zeit goldt körner in den Ritzen des Schiefergesteins vorgekommen". Im Bachsand bemerkte Ludolph keine Spur von Gold. Es schien ihm aber ratsam, eine Zeichnung des Geländes anzufertigen und selbige dem Kurfürsten zu überreichen. Auch gab er der Ordnung halber der Veldenzer Berggewerkschaft, ,,so das Goldt mit in Belehnung" hatte, von seinem Auftrag Kundschaft. Aber diese wußte wohl, daß des Ends kein Erfolg zu verzeichnen sei. Man argwöhnte, es sei vor langen Jahren mal am Bach eine Goldschmelze entstanden; die sei nachher verfallen, woher auch das Gold komme.

Dawider sagte Ludolph, man habe in den letzten achtzig Jahren soviel Gold gefunden, als in einem ,,Laboriofen" bestimmt nicht vorhanden sein könne. Er sei vielmehr der Meinung, daß man auch die an das Tal angrenzenden Berge, nicht die Talsohle allein, untersuchen solle. Auch sei es nötig, ,,die mehreste attention auf die beyde Berge hei-untergehenden Holtzschleifen zv verwenden..., weilen zu vermuthen, daß in Winterszeiten mit dem Holtzschleifen bemeltes Goldt vielleicht im gebürge loosgerissen und ins Bächel geführet werden könnte, zumahlen da alles aufgehobene Gordt mehrenteils im früjahr gefunden worden."

Offenbar hat aber auch diese des Bergmeisters Meinung nicht vermocht, das leuchtende Gold aus der Tiefe zu heben, und so kehrte Ludolph, seinen Auftrag wohl beendet glaubend, wieder heim, nachdem er dem Oberamt zu Mülheim einen Brief für den Kurfürsten zurückgelassen, darin sich auch die gemachte Zeichnung fand.

Der kurfürstliche Amtmann aber, sei es, daß des Bergmeister Nachforschung ihn nicht schlafen ließ und er den Kurfürsten sich geneigt machen wollte, sei es, daß ihn das Goldfieber gepackt hatte, genug: Andel ist nicht weit von Mülheim und der Adam Brück Eingesessener des Oberamts der kurfürstliche Amtmann also hat diesen bald zitiert und ihn auf Herr und Nieren ausgefragt:

,,Ob das Gold, welches bis hieher in der so genannten Gold-Bach gefunden worden, lauter gediegen Gold gewesen; ob jedesmahlen das Gold, welches gefunden worden, gantz rein gewesen, oder ob es sonsten etwas von einem Grund oder Steinen anhängig gehabt und wie derselbige ausgesehen; ob er, Adam Brück, glaube, daß derley Gold sich noch in mehrerer Menge und allenfalls die Haupt Ader selbst im veldenzischen Territorio befinde; ob er sich allenfalls getraue, die Platz zu entdecken, auf welche Art, mit- welchen Kösten und Bedingnuß?"

Darauf hat der Adam Brück dieses geantwortet:

,, Das Gold sei lauter gediegen Gold gewesen; alles Gold sei rein gewesen, ein Stücklein war einwendig hohl; er glaube, daß noch mehreres Gold da sei; die Haupt-Ader selbst befinde sich im Veldenzer Territorio, da weder Vater noch Mutter noch er niemahlen außer der Curpfältzischen Gerechtigkeit nur das mindeste dergleichen Gold gefunden, obschon sie genug und genug alldorten gesucht." Und wie zum Beweis zeigte der Adam Brück dem Amtmann ,,drei in kleiner Linßen Größ bestehende Stücklein Gold, welche er ohnlängst in der Andeler Goldbach gefunden mit dem ferneren Anfügen, daß er noch mehr desgleichen zu finden getraue, wan er belohnet würde, jedoch er wider Vermuthen in dieser Arbeit nicht glücklich seye, dafür keine Ungnade zu gewärthigen habe. Er glaubte aber viel eher in dieser Bach glücklich zu seyn, da er besondere Ahndung einige Zeit her empfinde."

Er, Adam Brück, hat den Amtmann, den Kammerrat Wunderlich, gebeten, die Goldstücklein selbst nach Mannheim bringen zu dürfen. Er verlangte dafür, ihm acht Gulden im voraus zu zahlen,

,,als man ihm nicht zumuthen könne, mit versäumung der so kostbaren Zeit auf seine Kosten diese Reis anzutreten". Auch glaube er gewißlich den Platz zu finden, doch müsse er um dies bitten, daß ihm für seine Arbeit jährlich sechs Malter Korn ausgetan werden, auch möge man ihm, so er den Platz finde, eine angemessene Prämie zedieren. Der Kammerrat sagte ihm das vors erste zu und versprach, dem Adam Brück auch die acht Gulden aus der Amtskellerei zu zahlen, so selbiger von der Reis nach Mannheim retournieret.

Man merkt, die zwei haben einander viel und doch nichts versprochen, weilen die Goldader noch zu finden und das Korn samt den Gulden noch anzuweisen war. Immerhin hat der Amtmann bei der kurfürstlichen General-Cassa um einen Succurs von 250 Gulden angetragen, welch selbiger ihm auch gewährt worden, damit den Goldbach auf Gold zu untersuchen. Und der Adam Brück hat eine Reise nach Mannheim zum gnädigen Herrn Kurfürsten getan, so selbiges auch nicht alle Tage vorkommt. Aber wie nach des Brücks Heimkehr die Reisekosten, wozu er das Geld gelehnet und noch nicht zurückgeben können, trotz der 250 Amtmannsgulden, immer langer ausstanden und dazu das Korn, da hat des Brücks Zunge große Geläufigkeit erlangt, und der Kammerrat bekam manches zu hören, worüber er nicht zu lachen vermocht.

Dagegen hat er seinerseits Ursach genommen zur Klage über den Brück, daß dieser nicht alles gefundene Gold redlichermaßen abliefere, vielmehr sage, ,,daß er auslieferung nicht gehalten seye". Schließlich hat der Adam Brück doch den Kurzen gezogen und seine Arbeit aufgeben gemußt. Wie es denn so gehet in dieser Welt, daß zuendest ein untadeliges Oberamt doch recht behalten müsse um seines Ansehens willen.

Der Ruhe des Amtmanns aber zum Schaden geschah es weiter, daß die mehresten Andeler Bürger, vermeinend in der Bach vieles Gold zu finden, sich dahin aufmachten, nach den kostbaren Stücklein zu suchen. Dagegen wurde gar bald von dem Oberamt geboten, daß es keinem einfalle, ,,in der Andeler Goldbach ohne besondere Erlaubnis" Gold zu suchen. Wer dabei ergriffen werde, müsse zehn Taler Poen geben, auch müsse er mit Leibesstraf büßen. Es steht nicht fest, ob dieses Gebot etwas geholfen. Scheint aber doch so, da sich niemand zu Andel darauf besinnen kann, daß man allda einmal mit goldenen Löffeln gegessen.

Die nächsten Jahre sind wohl noch einige Stücklein Goldes nach Mannheim geschickt worden zur Prüfung, ob das Gold angewachsen sei oder aus einem Laborirofen, in welchem Falle es ohnnötig gewesen, weiter danach zu suchen. Die kurfürstliche Münze aber hat festgestellt, daß es gewachsen Gold sei, und so hat man denn weiter geforscht nach dem Platze, allwo die Mine ihren Ursprung nähm. Die Münze hat auch Proben von dem Bachsande nach Mannheim verlangt, in der Absicht, ,,ob nicht etwa kleinere Goldkörner oder feiner Gold Staub, wie in dem Rhein, oder gar Spuren von Gold ausfindig zu machen". Diese Proben hat man auch eingeschickt; aber die Münzer haben nichts von Gold oder dergleichen feststellen können.

Da man so nicht recht weiterkommen, hat des Jahres 1776 der Kammerrat Wunderlich zwei Wäscher vom Veldenzer Bergwerk in Eid und Dienst genommen, auch noch einige TageIöhner. Auch hat er drei große eiserne Kästen - wohl 1 m tief - in den Bach legen lassen, allwo sich mit Dreck und Steinen auch das Gold versammele. Die Wäscher haben dann fleißig gewaschen, auch hat man nach dem Gold gegraben. Und nachdem der Kammerrat die Erlaubnis erhalten, weitere 250 Guiden den Schatzungsgeldern zu entnehmen, ist die Arbeit, jetzo mit geübten Kräften, rasch gefördert worden. Der Amtmann hatte auch nicht versäumet, bei dem Pfarrherrn von Monzelfeld, so ein kurtrierisches Dorf, anzufragen, ob er nicht gehört, daß man an der Quelle des Goldbaches, welche ja im kurtrierischen Territorio, jemals Gold gefunden. Der Pfarrer ist nicht müßig gewesen und hat seine Beichtkinder recht ausgefragt. Aber da war keiner, der etwas davon gewußt hätte, auch nicht einer. Weilen man nun aber stets fleißig gesuchet, hat man ein grölleres Stücklein Gold im Berge gefunden, ungefähr zwei Meter tief. Dabei hat es aber wohl sein Bewenden gehabt. Die Akten berichten nichts mehr. Man hat, so scheint's, den Versuch aufgeben gemußt, weilen sich der Abbau nicht gelohnet.

Ein Stücklein Goldes hat man wohl auch später noch hie und da gefunden. Der Schulmeister in Dusemond, Bernhard Zimmer, hat seinen Jungen und Mädchen noch von einem Fündlein erzählt, das er selbst mit angesehen. Derselbige Bernhard Zimmer war von Monzelfeld her und so in den fünfziger und sechziger Jahren vergangenen Jahrhunderts Lehrer in Dusemond. Als Schuljunge hütete er mit Kameraden auf der Monzelfelder Trift die Kühe seines Vaters. Die Jungen hatten ihre Freude daran, wenn sie schöne, blanke Steine im Goldbach suchen konnten. Eines Tages fand einer einen glänzenden Stein auf dem Grund des Baches, ohnverwandt rennt er stracks nach Hause. Der Vater dreht den Stein in der Hand herum. Groß wie ein Hühnerei ist der Stein gewesen, und gut hat er ausgesehen. Des anderen Tages geht der Vater nach Bernkastel zum Meister GoIdschmied. Der sieht sich den Stein lange an und bietet dem Hannes 50 preußische Taler für das Gold. Um 52 Taler sind sie einig geworden.

Danach hat man von Fünden und Fündlein nichts mehr gehört. Und auch den Platz, da angeblich der Goldschatz verborgen, hat keiner mehr finden gekonnt, und niemand ist dessen froh geworden. Das war nun nicht so schlimm, als man denken mag. Es geschah nämlich, daß mancher, wohl wissend, wo der wahre Reichtum sei, sich vom Goldbach wieder mitten auf den Acker und in den Wingert begab. Dieses Schatzes sind viele froh worden - bis auf den heutigen Tag.

Quelle. Heimat Kalender Bernkastel 1957 Dr. Adolfkarl Michels

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